Sommerton-Festival 2018

Sommerton-Festival 2018

Easily customize your share description with the Shindig theme!

Sommerton Festival im Schloss Diersford

DUISBURG.   Wilfried Schaus-Sahm stellt das Programm für das Sommerton Festival im Schloss Diersford zusammen und erinnert an das Festival in Duisburg

Das Bedauern über den Verlust des alten Traumzeit-Festivals ist bei dessen treuen Fans nicht abgeebbt, seitdem die Stadt zwar weiter unter dem Erfolgsetikett „Traumzeit“ segelt, aber die damit einst verbundenen musikalischen Inhalte schuldig bleibt. Doch seit einigen Jahren gibt es ein Refugium für die Freunde der alten Traumzeit: das Sommerton Festival am Schloss Diersford bei Wesel.

Ein weißes Zelt am Rande eines Ackers, mit roten Plüschsesseln bestuhlt und draußen vor der Tür Heuballen und Lagerfeuerromantik – der Veranstaltungsort ist ähnlich schräg wie es das alte Hüttenwerk in Meiderich einst war. Auch in dieser Hinsicht atmet Sommerton den gleichen Geist. Und das hat seinen Grund. Denn Wilfried Schaus-Sahm, Vater der Traumzeit in Duisburg, zeichnet als künstlerischer Leiter und Mitbegründer für das Programm des Sommerton Festivals verantwortlich, das vom 31. August bis zum 2. September die fünfte Auflage erlebt.

Auftakt der „muziek biennale“

Inzwischen ist nicht nur die Liste der Sponsoren gewachsen, die den tragenden Sommerton-Verein unterstützen, sondern auch das Ansehen des Festivals. So wurde es in diesem Jahr auserkoren, die „muziek biennale niederrhein“ zu eröffnen. Was Schaus-Sahm zugegebenermaßen „schon ein wenig stolz macht“. Warum auch nicht, ist es doch eine Anerkennung seines Sachverstandes sowie seines Geschicks, musikalische Richtungen und Künstler zusammenzuführen, die auf den ersten Blick nicht immer zusammenpassen müssen. Dass das jährliche Biennale-Motto diesmal „Verboten“ heißt, schreckte ihn daher nicht.

„Der Jazz hat in seiner Geschichte immer wieder leidvolle Unterdrückung erfahren“, sagt Schaus-Sahm. „In Polen etwa war der Jazz ein Fenster zur Freiheit. Er war von der polnischen Musikvereinigung untersagt worden, weil er angeblich das Erbe Chopins beschädigt.“ Umso mehr freut sich Schaus-Sahm, dass er für das Sommerton Festival den polnischen Pianisten Leszek Mozdzer gewinnen konnte. „Es ist die Ironie der Geschichte, dass Mozdzer, einer der besten Chopin-Interpreten, heute Jazz spielt“, meint Schaus-Sahm.

Das Programm im Überblick

Beim Sommerton-Festival macht Mozdzer das am 31. August zusammen mit dem Motion Trio. Die drei Polen spielen Akkordeon, und das weit entfernt vom Quetschkommoden-Image, das dem Instrument anhaftet. Stattdessen loten sie dessen klangliche Möglichkeiten in jeglicher Hinsicht aus.

Zuvor (ab 18.30 Uhr) leiht das Festival sein Ohr einer ungewöhnlichen Jazz-Gegend: China. Der Pianist Luo Ning, Vertreter des Beijing-Jazz, bedient sich auch bei Latin und Funk. Das dürfte spannend werden. 

Den ersten Abend beendet Anouar Brahem, ein Virtuose auf der arabischen Laute Oud, die er in die Konzertsäle der Welt gebracht hat. Mit seinem Quartett stellt er sein Projekt „The Astounding Eyes of Rita“ vor. Es ist dem 2008 verstorbenen palästinensischen Dichter Mahmoud Darwisch gewidmet.

„Folklore, Bach, Coltrane – die Drei fügen alles zusammen, was ihnen irgendwie Spaß macht“, beschreibt Schaus-Sahm, was das Trio Biondini, Godard und Niggli ausmacht, das den zweiten Festivaltag (1. September, 18 Uhr) eröffnet. Besonders interessant ist dabei auch der Einsatz von Godards Serpent, einem mehrfach gebogenen Blasinstrument aus vergangenen Jahrhunderten).

Mit hypnotischen Klängen schließt sich der Auftritt der Geigerin und Sängerin Maarja Nuut an. Ihre Kompositionen fußen auf alten Geschichten und Märchen aus ihrer Heimat Estland.

Zum Abschluss bringt der Abend ein Wiedersehen mit Stefano Bollani, der bereits 2015 das Publikum begeistert hat. „Er verknüpft verschiedene Elemente und Stile mit irrlichterndem Humor“, verspricht Schaus-Sahm Überraschungen, die weder vor Zappa, noch Paolo Conte haltmachen.

Besonderes Highlights sind stets die Sonntagskonzerte (15 Uhr) in der Rokoko-Schlosskirche. Das dürfte diesmal auch der Fall sein. Rolf Lislevand, Professor für Laute und historische Aufführungspraxis an der Musikhochschule Trossingen, hat seine Bedenken gegen Festivals weggeschoben, nachdem er ein Bild vom Inneren des Gotteshauses gesehen hat. Der Rahmen schien ihm doch sehr passend für seine Musik. „Er ist Fachmann für spanische Renaissance- und Barockmusik. Aber er spielt sie so, dass man glaubt, die Pop-Musik sei eine Erfindung des Renaissance“, schwärmt Schaus-Sahm. 

Wer sich entschließt, mal bei diese Festival ein Ohr reinzuhalten, sollte einen Schutz gegen stechende Insekten nicht vergessen. Bei dieser Musikauswahl tanzen auch die Mücken und stärken sich in den Pausen wie die Besucher außerhalb des Zeltes.