Sommerton-Festival 2018

Sommerton-Festival 2018

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RP: Letztes Konzert beim Sommerton-Festival?

Von Guido Diesing

Zum RP-Online Beitrag

Wie interessant und lebendig Lektionen in Musikgeschichte und Instrumentenkunde sein können, zeigte als willkommenes Extra neben der Musik das sonntägliche Abschlusskonzert des Sommerton-Festivals. Mit Rolf Lislevand war einer der weltweit führenden Lautenisten und Spezialisten für Alte Musik in der Diersfordter Schlosskirche zu Gast. Um das Publikum ins 16. und 17. Jahrhundert zu entführen, hatte er gleich drei klanglich unterschiedliche Mitglieder der Lauten- und Gitarrenfamilie mitgebracht.

Nachdem er beim Auftakt mit der zierlichen Barockgitarre noch etwas fahrig gewirkt hatte, fand der Norweger bald in den angenehm vollen Klängen von Chitarrone und Erzlaute die nötige Ruhe und Souveränität. Das Publikum in der ausverkauften Kirche freute sich an fragilen – wie leise so eine Laute sein kann! – , aber auch kraftvollen Tönen, in denen bisweilen eine Nähe zu Flamenco und Folklore anklang.

In seiner kenntnisreichen Moderation wies Lislevand auf die scheinbare harmonische und melodische Modernität der Kompositionen alter Meister wie Kapsberger ebenso hin wie auf die Besonderheit, dass einige Komponisten ihre Werke nicht bis ins Letzte zu Ende führten – eine Einladung zur Improvisation, die der Lautenist dann auch gern annahm.

 

Am Ende konnten sich die Zuhörer noch geradezu königlich fühlen: Lislevand beschloss das Konzert mit Musik von Robert de Visée, dem Hoflautenisten von Ludwig XIV.: „Gut möglich, dass er dieses Stück dem König als Einschlafmusik vorgespielt hat.“

Danach hätten sich die Zuschauer vollauf zufrieden auf den Heimweg machen können, wären da nicht die besorgniserregenden Worte von Festivalleiter Wilfried Schaus-Sahm gewesen, der den Zuschauern eröffnete, es sei durchaus möglich, dass mit dem Konzert von Rolf Lislevand nicht nur das diesjährige Festival, sondern die gesamte Sommerton-Geschichte zu Ende gehe. Die Zukunft des Festivals ist ungeklärt, die Finanzierung für das kommende Jahr noch nicht gesichert. „Wir hoffen auf ein Wunder“, sagte Schaus-Sahm, womit vor allem die Hoffnung gemeint sein dürfte, dass sich die öffentliche Anerkennung seitens Stadt und Land neben lobenden Worten endlich auch in finanzieller Unterstützung niederschlägt.