Sommerton-Festival 2018

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Lajko Felix

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LajkoFelix

Eigenwillig ist das Wort, das einem spontan in den Sinn kommt, wenn man Lajko Felix, einen der größten Violinisten Europas beschreiben will.

Ein eigenwilliger Charakter, dem es gelingt, die Dämonen, die er in sich spürt, produktiv für sich zu nutzen. Man assoziiert Rebellen wie James Dean oder den jungen Marlon Brando. Tatsächlich hat er sich auch erfolgreich als Schauspieler versucht. Im mehrfach preisgekrönten ungarischen Spielfilm Delta (2008) von Kornél Mundruczó spielt er die männliche Hauptrolle. Die Figur des von der Gemeinschaft verurteilten Außenseiters scheint ihm auf den Leib geschrieben.

Laijko wuchs in einer Familie ethnischer Ungarn in der serbischen Provinz Vojvodina auf. Sein erstes Musikinstrument war die Zither, die er mit zehn Jahren zu spielen begann. Er gewann einige bedeutende Preise in dieser Kategorie und 2013 errang sein reines Zitheralbum „Mező“ als beste europäische Produktion Platz 5 der World Music Charts. Das Album hat inzwischen in Ungarn Platinstatus erlangt. Der ungarische Musikkritiker Laszló Horváth schrieb zu diesem außergewöhnlichen Album:

Félix Lajkó verwendet immer noch die gleiche Zither, die ihm seine Mutter damals schenkte. Die Zither hat in der Zwischenzeit unverändert die Launen ihres Besitzers verfolgt, toleriert und überdauert und die Einzigartigkeit, den Sound und die Mission ihres Schicksals angenommen. Dieses Album ist ein wunderbarer Beweis für diese außergewöhnliche Beziehung. Und es ist vermutlich ein Meilenstein für Zither-Experten, Spieler und Hörer, denn bis heute wussten wir nicht, dass eine Zither so klingen kann! 

Im Alter von zwölf Jahren begann Felix Geige zu spielen. Die auf sechs Jahre angelegte musische Grundschule absolvierte er in nur drei Jahren. Von der musischen Sekundarschule wurde dann als 16-Jähriger ausgeschlossen. Er selbst beschreibt seine Probleme, sich den schulischen Zwängen anzupassen, wie folgt:

„Schon im Kindergarten hatte ich Schwierigkeiten mit mathematischen Aufgaben. Meine Mutter ging mit mir zu einem Psychologen. Es kam dabei heraus, dass ich mit der Logik kämpfte. In der Schule setzte sich das fort. Irgendwie konnte ich nie die Dinge tun, die ich nicht wirklich mochte. Als ich später Werke klassischer Komponisten spielen sollte, vergaß ich immer Teile, irgendwas fehlte immer. Es lief immer darauf hinaus, dass ich zu improvisieren begann und dann aus den Improvisationen heraus selber komponierte.“

Nach dem Rauswurf packte der 16-jährige seine geborgte Violine und zog 1990 nach Budapest, wo er sich schnell als unkonventioneller Musiker etablierte.

Seitdem lebt er abwechselnd in Budapest und Subotica. Konzertreisen führten ihn neben unzähligen Auftritten in Ungarn und Serbien u.a. nach Tschechien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Italien, Monaco, Rumänien und in die Slowakei. Ausdruck seiner nicht nur musikalischen Unangepasstheit und Heimatverbundenheit war eine Tour zusammen mit Boban Markovics Blasmusik-Orchester durch Serbien während der Nato-Luftangriffe im Jahr 1999.

Eigenwillig und einzigartig ist auch seine Musik und deshalb nur schwer zu kategorisieren. Seine Kompositionen und Arrangements verbinden unterschiedliche musikalische Stilrichtungen zu originellen Neuschöpfungen. Seine Spielweise ist  intensiv und ekstatisch. Kennzeichnend ist der ausgeprägte Hang zur Improvisation, ohne dass die Stücke dadurch eine klare Struktur vermissen ließen. Erkennbar sind Einflüsse aus der traditionellen Volksmusik Ungarns und Serbiens, aus der Musik der Roma, aus Klezmer, Jazz, Blues und Rock und klassischer Musik. In einem Interview hat Laijko Felix seine musikalischen Auffassungen knapp zusammengefasst:

»Meine Musik basiert auf der Feinheit und dem Farbenreichtum meines Instruments. Ich erfinde keine neue Musik, ich folge nur meinem Weg, Musik zu improvisieren und zu komponieren. Genres sind für mich nicht wichtig, die Musik ist die Essenz«

Zu etlichen ungarischen und jugoslawischen Filmen und Theaterstücken schrieb er die Musik. Der ungarische Regisseur Miklos Jancsó drehte 1999 einen Film über Lajkó Felix.

Der Rebell hat inzwischen seinen Weg und sein Glück gefunden. Er formuliert es in dem kurzen filmischen Porträt in etwa wie folgt:

„Es gibt keinen Moment in meinem Leben, in dem ich nicht etwas spielen will. Und es ist immer das, was ich gerade im Kopf habe, nicht das, was andere von mir erwarten. Bei meinem ersten Konzert hatte ich mir eine Setliste aufgeschrieben und nichts davon gespielt, nur das, was mir spontan durch den Kopf ging. A Dur sehe ich als blaue Farbe. Musik ist für mich eine Art Reflexion meiner Gefühle, wenn ich spiele, erkenne ich, wie ich mich im Moment fühle. Ich brauche keine Reichtümer für mein Leben. Nur meine Familie ist mir wichtig.“

Mit seinem Duo-Partner, dem Violinisten Antal Brasnyó, wird Laijko Felix unser Festival fulminant eröffnen. Wir freuen uns auf diesen außergewöhnlichen Musiker.

Video:

In search for myself / U potrazi za sobom (von Pavle Nikic)

https://www.youtube.com/watch?v=Lglzwpx2EzY

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