Sommerton-Festival 2018

Sommerton-Festival 2018

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In allen Regenbogenfarben schimmernd, Maria João im Interview

Einen gewohnt temperamentvollen Auftritt von Maria Joao und ihrem Quartett kann man am 29. August beim Sommerton Festival erwarten. Warum ihre Musik so gar nicht typisch portugiesisch klingt und warum sie auf der Bühne goldene Zeiten erlebt, das erzählt die Sängerin im Interview mit Susann Winkel von Südthüringen.

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Frau João, welche Farbe hat der Sommer für Sie?

Gelb. Diese Farbe ist voller Sonne, voller Licht. Eine sehr positive Farbe, wie ich finde. Und sie ist wirklich mein Favorit. Überall in meinem Haus habe ich gelbe Dinge, in meinen beiden Badezimmern habe ich zum Beispiel gelbe Toiletten.

Ihr aktuelles Album und Programm heißt “Iridescente”, übersetzt bedeutet das so viel wie “in allen Regenbogenfarben schimmernd”. Was hat es mit Ihnen und den Farben auf sich?

Ich liebe Farben und ich liebe es, mich in Farben zu kleiden. Wann immer es möglich ist, trage ich sie. Alle Farben, nur kein Schwarz, das gefällt mir nicht so gut.

Wenn Deutsche der portugiesischen Musik eine Farbe geben müssten, dann wäre das Schwarz. Schwarz wie der unglückliche und sehnsuchtsvolle Fado. Ihre Musik ist so völlig verschieden davon.

Das stimmt, ich mache etwas völlig anderes. Das hat sicher mit meiner Herkunft zu tun – meine Mutter stammt aus Mosambik, mein Vater aus Portugal. Diese beiden Einflüsse trage ich in mir, sie sind sehr wichtig für mich. Eine portugiesische Fado-Sängerin bin ich wirklich nicht.

Können Sie Ihre Musik, die Farbe Ihrer Musik beschreiben?

Das ist eine ziemlich schwierige Frage. Am liebsten beschreibe ich es folgendermaßen: Die Musik, die wir – das Mario Laginha Quartett und ich – machen, hat zwei Füße. Der eine Fuß steht ganz fest im Jazz mit seinem unermesslichen Reichtum an Harmonien und Melodien. Der andere Fuß, das sind die Einflüsse, die wir für unsere Musik aus ganz unterschiedlichen Bereichen erhalten: aus der Popmusik, aus afrikanischer Musik oder aus Rockmusik, von überall her. Auf diesen beiden Füßen steht unsere Musik.

Haben Sie auch Einflüsse aus Deutschland, von deutscher Musik erhalten?

Nein, Einflüsse aus Deutschland finden sich nicht in meiner Musik. Aber Deutschland gehört zu Europa und ich lebe in Europa. Daher gibt es sicher indirekte Beeinflussungen, nur keine direkten musikalischen.

Musikalisch ist Deutschland nicht Ihr Land – allerdings sind Sie ziemlich oft hier.

Ich liebe Deutschland, in Europa ist es für mich als Musikerin mein zweitliebstes Land nach meiner Heimat Portugal. Das Publikum in Deutschland war immer unvorstellbar warmherzig zu mir. Es hat mich stets gut empfangen und mir erlaubt, viel von mir als Künstlerin zu geben. Daher reise ich so gerne hierher für Konzerte. Und nicht nur für die, ich habe auch viele Freund hier.

Sie sprechen sogar ein wenig Deutsch.

A little bit, yes. Ein kleines bisschen.

Vor wenigen Tagen haben Sie ein großes Konzert in Ihrer Heimatstadt Lissabon gegeben, in Meiningen gastieren Sie in einer Kleinstadt. Ist der Auftritt vor kleinem Publikum für Sie als Künstlerin schwieriger?

Nein, es macht für mich keinen Unterschied, ob ich in großen oder kleinen Städten, vor viel oder wenig Publikum auftrete. Entscheidend sind die Menschen, die da sind. Ob es nun zehn, 500 oder 1000 sind.

In Ihren Konzerten wirken Sie sehr spontan. Reagieren Sie vor allem auf das, was Ihnen das Publikum gibt, oder wissen Sie zuvor genau, was Sie tun werden?

Bevor ein Konzert beginnt, entscheiden wir, welche Titel wir spielen werden. In der Musik selbst ist dann aber jede Menge Raum für Improvisation. Das macht es so schön, so reizvoll. Ich liebe es, zu improvisieren, etwas auf der Bühne aus dem Augenblick heraus zu erschaffen.

Sie singen nicht nur im Konzert, Sie liefern eine Show.

Ja, das ist der Moment des größten Glücks für mich. Neben meinem Sohn ist die Musik auf der Bühne das, was mich von allem auf der Welt am glücklichsten macht. Die Zeit auf der Bühne mit all meiner Kreativität und Spontanität als Künstlerin – das ist die goldene Zeit für mich.

Interview: Susann Winkel für südthüringen.de

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