Sommerton-Festival 2017

Sommerton-Festival 2017

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Das Festival

Zum Programm des Sommerton-Festivals


Jazz und Musikkulturen stehen im Fokus der Programmgestaltung des Sommerton-Festivals. 1889 wurden bei der Weltausstellung in Paris erstmals Konzerte fremder Kulturen dem europäischen Publikum vorgestellt. Der Begriff der „Weltmusik“  hat seitdem eine wechselvolle Entwicklung genommen, wobei er lange eine Musikform bezeichnete, die unter dem Primat der europäischen Klassik mit exotischen Farbtupfern fremder Musikkulturen versehen wurde. 1939 bezeichnet Joseph Goebbels mit „Weltmusik“  die Musik deutscher Komponisten, die der Musik aller anderen Völker überlegen sei und damit eine „wahre Weltmusik“  darstelle. Noch 1968 spricht der Musikwissenschaftler Kurt Nemez-Fiedler weiterhin von der „tonangebenden abendländischen Kultur, der als Tatsache gegebenen europäischen Musik (als „Weltmusik“), die aufgrund ihrer Durchsetzungskraft berufen zu sein scheint, als Modellform zu fungieren.“ 1979 findet dann der erste Kongress unter dem Namen „Weltmusik“ statt, veranstaltet von der Arbeitsgemeinschaft Musik in Ostwestfalen-Lippe.  Seitdem hat sich im Bewusstsein der Musikwelt die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine, wie auch immer begründete, euro-zentristische Sicht auf die Musiken der Welt nicht haltbar ist. (unter Verwendung der Untersuchungen von Birger Gesthuisen in : “Musikwelten NRW: Kulturen der Einwanderer”  Klartext Verlag) In unserem Zeitalter der Globalisierung treten nun seit mehreren Jahrzehnten diese Musiken verstärkt in den Blickpunkt, was sich auch in der Einrichtung von Studiengängen an Musikhochschulen und der Etablierung von Fachredaktionen bei den öffentlich-rechtlichen Kultursendern widerspiegelt. In diesem Zusammenhang ist es bedeutsam, dass das für den Jazz wichtige Phänomen der Improvisation seit Jahrhunderten auch in anderen Musikkulturen prägend ist – von der indischen über die orientalische bis zur afrikanischen Musik und vielen europäischen Kulturkreisen. Dagegen spielt derzeit  die Improvisation in der europäischen klassischen Musik kaum noch eine Rolle.
Seit seiner Gründung hat sich das Sommerton-Festival mit dem Spannungsfeld von Jazz und sogenannter „Weltmusik auseinander gesetzt. In einer Zeit allgemeiner Verflachung des Musikgeschmacks und der Formatierung von Medien kommt diesem Engagement eine besondere Bedeutung zu, denn es kann bezweifelt werden, ob tatsächlich der Zugang zu anderen Musikkulturen einfach und selbstverständlich ist und ob sich der darin enthaltene Reichtum unseren Hörgewohnheiten ohne häufigere Begegnung und Schulung erschließen kann. Der Begriff „Weltmusik“  transportiert häufig die Konnotation von einem einheitlichen Ganzen, das in dieser Form nicht gegeben ist. In Wirklichkeit zerfällt das im öffentlichen Bewusstsein unter diesem oder ähnlichen Begriffen Zusammengefasste in zufällige Geschmäcker von Tangofans, Freunden klassischer indischer Musik, Teilnehmern afrikanischer Trommelkurse oder Bauchtänzerinnen, in orientalischen Ethnojazz, Worldbeat, Gospel und vieles Andere. Stattdessen bedürfen viele ethnische Musiken einer intensiven Beschäftigung sowie der wiederholten Begegnung in entsprechender Virtuosität, um Neugier zu wecken sowie Feinheiten und Eigenarten goutierbar zu machen. Das Sommerton-Festival hat sich deshalb konsequent der Gefahr eines anbiedernden Programmangebotes widersetzt und folgt nicht dem Mainstream, sondern präsentiert Musikerpersönlichkeiten auf internationalem Niveau. In einer Ära, welche notwendigerweise kulturelle Barrieren und ausgrenzendes Denken abbauen muss, gewinnt der Begriff der “Diversity“ an Bedeutung. Ein Festival mit seiner Fokussierung auf Jazz und Musikkulturen trägt hierbei zur Ergänzung der Diskussion bei. Die Initiatoren des Sommerton-Festivals haben die Erfahrung gemacht, dass die Festival-Besucher diese, in der heutigen Medienlandschaft nicht selbstverständliche Bereicherung wertschätzen.

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Wilfried Schaus-Sahm (Künstlerischer Leiter)

 


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