Sommerton-Festival 2018

Sommerton-Festival 2018

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Month: September 2018

RP: Letztes Konzert beim Sommerton-Festival?

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Von Guido Diesing

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Wie interessant und lebendig Lektionen in Musikgeschichte und Instrumentenkunde sein können, zeigte als willkommenes Extra neben der Musik das sonntägliche Abschlusskonzert des Sommerton-Festivals. Mit Rolf Lislevand war einer der weltweit führenden Lautenisten und Spezialisten für Alte Musik in der Diersfordter Schlosskirche zu Gast. Um das Publikum ins 16. und 17. Jahrhundert zu entführen, hatte er gleich drei klanglich unterschiedliche Mitglieder der Lauten- und Gitarrenfamilie mitgebracht.

Nachdem er beim Auftakt mit der zierlichen Barockgitarre noch etwas fahrig gewirkt hatte, fand der Norweger bald in den angenehm vollen Klängen von Chitarrone und Erzlaute die nötige Ruhe und Souveränität. Das Publikum in der ausverkauften Kirche freute sich an fragilen – wie leise so eine Laute sein kann! – , aber auch kraftvollen Tönen, in denen bisweilen eine Nähe zu Flamenco und Folklore anklang.

In seiner kenntnisreichen Moderation wies Lislevand auf die scheinbare harmonische und melodische Modernität der Kompositionen alter Meister wie Kapsberger ebenso hin wie auf die Besonderheit, dass einige Komponisten ihre Werke nicht bis ins Letzte zu Ende führten – eine Einladung zur Improvisation, die der Lautenist dann auch gern annahm.

 

Am Ende konnten sich die Zuhörer noch geradezu königlich fühlen: Lislevand beschloss das Konzert mit Musik von Robert de Visée, dem Hoflautenisten von Ludwig XIV.: „Gut möglich, dass er dieses Stück dem König als Einschlafmusik vorgespielt hat.“

Danach hätten sich die Zuschauer vollauf zufrieden auf den Heimweg machen können, wären da nicht die besorgniserregenden Worte von Festivalleiter Wilfried Schaus-Sahm gewesen, der den Zuschauern eröffnete, es sei durchaus möglich, dass mit dem Konzert von Rolf Lislevand nicht nur das diesjährige Festival, sondern die gesamte Sommerton-Geschichte zu Ende gehe. Die Zukunft des Festivals ist ungeklärt, die Finanzierung für das kommende Jahr noch nicht gesichert. „Wir hoffen auf ein Wunder“, sagte Schaus-Sahm, womit vor allem die Hoffnung gemeint sein dürfte, dass sich die öffentliche Anerkennung seitens Stadt und Land neben lobenden Worten endlich auch in finanzieller Unterstützung niederschlägt.

 

 

RP – Sommerton-Festival in Diersfordt begeistert

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Von Guido Diesing

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Das Schlussfazit gab es gleich zu Beginn am Freitagabend. Janusz Wojtarowicz vom polnischen Motion Trio war von der Atmosphäre rund um das mit 600 Besuchern ausverkaufte Konzertzelt am Schloss so begeistert, dass er die Zuschauer regelrecht euphorisch begrüßte: „Ein tolles Publikum, ein großartiges Festival, wunderbare Musiker – was will man mehr?“ Recht hatte er.

Nachdem der chinesische Jazzpianist Luo Ning im Auftaktkonzert ein gefälliges, aber wenig denkwürdiges Deutschlanddebüt absolviert hatte, zeigte Wojtarowicz mit seinen beiden Mitstreitern den staunenden Zuschauern, wie vielfältig sich drei Akkordeons kombinieren lassen. Gastpianist Leszek Możdżer und eine Mischung aus Chopin, Jazz und Minimal Music, publikumsträchtig inszeniert, machten den Auftritt zum ersten Höhepunkt des Festivals. Im perkussiven Finale steigerten sich die vier Polen auf ihren Instrumenten trommelnd in stampfende Techno-Rhythmen – und das ohne jeden Beat aus der Maschine. Es war fast ein Sinnbild für ein Festival, das seinen besonderen Charme aus dem liebevoll Handgemachten zieht. Die ehrenamtlichen Mitglieder und Helfer des Sommerton-Vereins, denen Bürgermeisterin Ulrike Westkamp in ihrer kurzen Ansprache für ihren Einsatz dankte, schafften wieder eine Atmosphäre, in der sich Zuschauer und Musiker einfach wohlfühlen und besondere musikalische Momente entstehen können.

Wie etwa im Konzert des Anouar Brahem Quartetts zum Abschluss des Eröffnungsabends. Die Musik des tunesischen Oud-Virtuosen baut Brücken zwischen Ost und West, Tradition und Moderne, nimmt viele Einflüsse auf und ist doch ganz eigen. Immer wieder schert eine einzelne Stimme, sei es die Laute, die Bass-Klarinette oder der E-Bass, aus dem Unisono aus, entfernt sich, schafft mit Gegenmelodien Kontraste und nähert sich wieder an, um sich aufs Neue im Gesamtklang einzugliedern. Trotz ihrer Eleganz und Sanftheit hält die Musik ihre Zuhörer mit unterschwelliger Spannung gefangen.

Der Samstag begann mit einer bedauernswerten Nachricht: Das Konzert der estnischen Geigerin Maarja Nuut musste ausfallen, weil durch einen Fehler der Fluggesellschaft zwar die Musikerin, nicht aber ihr Instrument und Equipment in Wesel angekommen waren. Festivalleiter Wilfried Schaus-Sahm machte das Beste aus der misslichen Situation und überredete die Musiker der beiden anderen Konzerte, ihre Auftritte zu verlängern.

Und beide hatten es in sich. Die enorme Spielfreude des italienisch-französisch-schweizerischen Trios Biondini-Godard-Niggli übertrug sich unmittelbar auf die Besucher, die mit spürbarem Spaß dem Treiben der so unterschiedlichen Charaktere folgten. Expressiv der Akkordeonist Luciano Biondini mit Vorliebe für ausgefallene Taktarten, geerdet und stoisch Michel Godard an Tuba, E-Bass und dem altertümlichen Serpent und hellwach lauernd der einfallsreiche Schlagzeuger Lucas Niggli. Ob Coltrane, Toots Thielemans, Brad Mehldau oder Händels rührende Arie „Lascia ch’io pianga” – bei ihnen war alles in guten Händen.

In Spiellaune zeigte sich abschließend Pianist Stefano Bollani, der auf seiner Reise durch die Musikgeschichte bei Jazzstandards, Gassenhauern wie „Quando quando“ und lateinamerikanischen Rhythmen halt machte und mit humorvoll modernisierten Klassik-Hits begeisterte. Ein glatter Geniestreich war schließlich seine erste Zugabe: Auf Zuruf notierte er zehn vom Publikum gewünschte Titel, die er dann in einem ausgedehnten Medley verband, als wären sie füreinander gemacht. Begeistert stellte das Publikum fest: Von „Take Five“ über Gershwins „Maria“ zu „Mackie Messer“, von „Satisfaction“ über „Volare“ zu Puccinis „Nessun Dorma“ ist es nur ein kleiner Schritt, wenn ein Meister wie Bollani die musikalischen Fäden knüpft.