Sommerton-Festival 2018

Sommerton-Festival 2018

Easily customize your share description with the Shindig theme!

Month: April 2018

Touristische Angebote zum Festival

ByonwithKommentare deaktiviert für Touristische Angebote zum Festival

Der Kulturraum Niederrhein bietet zum Sommerton-Festival rund um das Eröffnungswochenende der Muziekbiennale verschiedene reizvolle touristische Angebote.

 

TOUREN:

Samstag 01.09. | 11.00 Uhr | Fahrradtour zur Bislicher Insel

Nach dem Eröffnungskonzert am Freitag können Sie den ersten Festivalabend ganz entspannt im Vier-Sterne-Hotel Welcome Wesel ausklingen lassen. Bis zum nächsten Konzerthöhepunkt am Folgetag bleibt genügend Zeit für eine Erkundung der Rheinauen in der scheinbar grenzenlosen niederrheinischen Wasserlandschaft. Die insgesamt rund 25 km lange Fahrradtour führt über Rheinpromenade und Rheinbrücke zur Bislicher Insel, eine der größten naturnahen Auenlandschaften am Unteren Niederrhein und ein überregional bedeutsames Vogelschutzgebiet. Die Ausstellung im NaturForum sowie ein begleiteter Rundgang vermitteln Ihnen besondere regionsspezifische Natur-Blicke.
Start- und Rückkehrort: Hotel Welcome Wesel
Dauer der Tour: Ca. 4 Stunden, inklusive Mittagspause

Sonntag 02.09. | 11.00 Uhr | Weseler Geschichte/n | Historischer Stadtrundgang

Vor Konzertbeginn „Wesel erleben“: Eine themenbezogene Führung durch Wesel zeigt Ihnen die besonderen Seiten der Hansestadt, deren Architektur maßgeblich in ihrer Zeit als preußische Garnisonsstadt geprägt worden ist. Beeindruckende Bauwerke wie das Haupttorgebäude der Zitadelle, das Berliner Tor oder Orte wie Büderich entstammen den Plänen preußischer Baumeister. Die Führung kann individuell auf die Interessen der Teilnehmer abgestimmt werden.
Start- und Rückkehrort: Hotel Welcome Wesel
Dauer der Führung: 90 min

 

Arrangements


Arrangement 1
• Konzerte am Fr und Sa
• 1 x Übernachtung im Vier-Sterne-Hotel Welcome
• Geführte Fahrradtour zur Bislicher Insel
€ 138,- p. P im DZ
(Speisen und Getränke exkl., Leihfahrrad: € 9,-)

Arrangement 2
• Konzert am Sa
• 1 x Übernachtung im Vier-Sterne-Hotel Welcome
• Geführter Stadtrundgang
€ 99,- p.P. im DZ

Arrangement 3
• Konzerte am Sa und So
•1 x Übernachtung im Vier-Sterne-Hotel Welcome und geführter Stadtrundgang
€ 119,- p.P. im DZ

 

Infos


Welcome Hotel Wesel Rheinpromenade 10
D-46487 Wesel
www.welcome-hotels.com
www.stadt-wesel.de

 

Buchung


Kulturraum Niederrhein e.V.
Tel. +49 (0)2152 / 809 88 02
Fax +49 (0)2152 / 809 89 64
info@kulturraum-niederrhein.de

Interview mit Leszek Mozdzer

ByonwithKommentare deaktiviert für Interview mit Leszek Mozdzer

Wilfried Schaus-Sahm (Künstlerischer Leiter des Sommerton-Festivals) zum Thema „Verboten“ der Muziekbiennale 2018 – Interview mit Leszek Mozdzer

 

Ein Fenster zur Freiheit

Es kann gefährlich sein, zu musizieren. Der Lautenvirtuose Rolf Lislevand wird das diesjährige Festival mit einem Recital und Kompositionen u.a. von Robert de Visée in der Schlosskirche Diersfordt beenden. Im klugen Begleittext seiner CD „Mascerade“ führt sich Lislevand vor Augen, dass Visée wohl schon deshalb all seine kompositorische Kunst für den Sonnenkönig aufbrachte, weil er den Kopf auf den Schultern behalten wollte.

Der Perkussionist Mohammad Reza Mortazavi, der beim Sommerton-Festival ein umjubeltes Solokonzert nur auf der traditionellen iranischen Bechertrommel gab, musste seine Heimat verlassen, weil seine genialische Musikalität auf der Tombak die strengen Grenzen des Traditionellen hinter sich ließ.

„Weltmusik“

Umgekehrt hat auch das Verhältnis der europäischen Kulturen zu den „Musiken der Welt“ eine höchst problematische Geschichte. Konzerte fremder Musikkulturen wurden erstmals 1889 bei der Weltausstellung in Paris dem europäischen Publikum vorgestellt. Der Begriff der „Weltmusik“ hat seitdem eine wechselvolle Entwicklung genommen, wobei er lange eine Musikform bezeichnete, die unter dem Primat der europäischen Klassik mit exotischen Farbtupfern fremder Musikkulturen versehen wurde.

Mit „Weltmusik“ bezeichnet 1939 Joseph Goebbels die Musik deutscher Komponisten, die der Musik aller anderen Völker überlegen sei und damit eine „wahre Weltmusik“ darstelle. Noch 1968 spricht der Musikwissenschaftler Kurt Nemez-Fiedler weiterhin von der „tonangebenden abendländischen Kultur, der als Tatsache gegebenen europäischen Musik (als „Weltmusik“), die aufgrund ihrer Durchsetzungskraft berufen zu sein scheint, als Modellform zu fungieren.“

Verbot und Ächtung

Der Jazz wurde – ähnlich wie viele Musikkulturen – über anderthalb Jahrhunderte mit Verbot und Ächtung belegt. Unselige Zeiten, in denen „Swing tanzen“ in Deutschland verboten war und noch nach dem Krieg über die „Negermusik“ gelästert wurde. Auch Adornos Verdikt über den Jazz bleibt in Erinnerung, nach dem ein Anspruch von Modernität nur den Werken der Schönbergschule zukommt, obwohl in Adornos letzten Lebensjahren eine kurzzeitige Spielform des Jazz – der Free Jazz – gerade gezeigt hat, dass es neben der Zwölfton-Musik auch andere spannende Möglichkeiten der Atonalität geben kann.

Es ist auch noch nicht allzu lange her, dass sich die klassischen Konzerthäuser gegenüber Musikkulturen und Jazz sperrten und Stippvisiten klassischer Interpreten in das „Jazzlager“ kritisch beäugt wurden. Manchmal zurecht, kann man nur sagen, weil eine klassische Ausbildung eben nicht per se das Talent verleiht, auch zu „swingen“. Inzwischen beschäftigen sich klassisch ausgebildete Interpreten und Komponisten ernsthaft mit dem Jazz und den Musikkulturen der Welt.

Manche Künstler unserer Tage – wie der türkische Pianist Fazil Say – verschmelzen volksmusikalische Klänge mit den rhythmischen Möglichkeiten des Jazz. Alte Musik und Jazz-Improvisation gehen ebenfalls zusammen, wie die Lautenistin Christina Pluhar mit ihren Monteverdi-Programmen beweist und der Serpent-Spieler Michel Godard beim Sommerton-Festival mit seinem Ensemble vor ein paar Jahren einem begeisterten Publikum eindrücklich vorgeführt hat.

Jazzmusik in Polen

In Polen war Jazzmusik zunächst höchst umstritten und wurde u. a. wegen vermeintlicher Profanisierung der Werke Chopins kritisiert. Dies führte zu einem Verbot der Anstellung von Jazzbands durch die Polnische Musikergewerkschaft, das erst 1927 aufgehoben wurde. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland erlebte der polnische Jazz jedoch eine Blüte, als viele jüdische Musiker aus Deutschland (re)-emigrieren mussten.

„Als der Eiserne Vorhang den ganzen Ostblock hermetisch von der Außenwelt abschirmte, stellte der Jazz ein Fenster zur Freiheit dar. Er galt seinen Fans als Ausdruck eines anderen Lebensstils, und als Waffe des Kalten Krieges wurde er gezielt zum Transfer amerikanischer Werte in den Ostblock eingesetzt. Jazz wurde zu einer neuen Ausdrucksform des tief verwurzelten polnischen Freiheitsstrebens und begann, sich in einer vitalen Szene sehr eigenständig weiterzuentwickeln.“

(Gertrud Pickhan: Polski Jazz: Ein Fenster zur Freiheit. Bundeszentrale für politische Bildung 2009)

Leszek Możdżers Grenzüberschreitungen 

Am Eröffnungsabend der Muziekbiennale 2018 präsentiert das Sommerton-Festival unter anderem mit dem polnischen Staatspreisträger Leszek Możdżer eine Symbolfigur des polnischen Jazz seit den 1990er Jahren. Der Pianist, Komponist und Chopin-Interpret Możdżer ist beispielhafter Repräsentant einer neuen Generation von Musikern, die die Zeit der Verbote hinter sich gelassen haben und darüber hinaus auch wie selbstverständlich vermeintlich „verbotene“ Grenzüberschreitungen zwischen Jazz, Avantgarde und klassischer Musik praktizieren.

Wir freuen uns beim diesjährigen Sommerton-Festival auf insgesamt sieben Konzerte, bei denen errungene künstlerische Freiheit alle Ressentiments, ideologische oder musikalische Restriktionen lustvoll ad absurdum führt.


Interview mit Leszek Mozdzer (Das Gespräch führte Wilfried Schaus-Sahm)

Wie sind Sie Jazzmusiker geworden und welche Rolle spielt Chopin in Ihrem musikalischen Leben?

Jazzmusik basiert auf Improvisation. Ich glaube nicht, dass man ohne Improvisation im wirklichen Leben weiterkommen oder überhaupt überleben könnte. Kreativität ist eine Gabe, die Gott den Menschen gegeben hat. Kreativ zu sein bedeutet immer auch, zu improvisieren. Chopin selbst hat ebenfalls improvisiert. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass ich nu

r durch Improvisation meine persönliche, innere Wahrheit ausdrücken kann. Deshalb habe ich mich entschlossen, ein Jazzmusiker zu sein.

Welche Rolle spielte Jazz während des Kalten Krieges?

Ich sehe die Sequenz der beiden Weltkriege, die Verstaatlichung des Privateigentums durch den „Sozialismus“, später den „kalten Krieg“ und danach wieder die „Reprivatisierung“ als einen klar umrissenen historischen Zyklus. Jazzmusik wurde in Polen während des kalten Krieges offiziell verboten, aber auf eine fast magische Weise hatte der Jazz eine ziemlich gr

 

oße Bedeutung in den fünfziger Jahren. Ich vermute, dass Jazz insgeheim auch dazu diente, die Vorstellung zu generieren, dass alles, was aus Amerika kommt, fantastisch ist. Das Unternehmenskapital brauchte eine authentische gesellschaftliche Bewegung, um die Übernahme der Polnischen Wirtschaft voranzutreiben, deshalb wurde Polen damals zu einem Zentrum der Jazzwelt. Aber als Nebeneffekt bekamen wir ein beeindruckendes Werkzeug, um Spiritualität auszudrücken, denn Jazz selbst ist eine Sprache der Seele. Wir wurden damals von einer psychopathischen Regierung versklavt und der Jazz hat uns geholfen, zu überleben. Für uns war es eine Sprache der Freiheit und das Versprechen einer besseren Zukunft.

Wie würden Sie heute die Bedeutung von Jazz in Polen beschreiben?

Das Publikum für Jazz in Polen ist breitgefächert. Viele junge Leute kommen zu Jazzkonzerten. Die junge Generation versteht den Jazz, sie nimmt seine wunderbare Botschaft auf und unterstützt sie. Junge Musiker haben erstaunliche Fähigkeiten und das durchschnittliche Niveau der Jazzmusiker in Polen ist sehr hoch. In der kommunistischen Zeit bot der Jazz eine der wenigen Möglichkeit des spirituellen Ausdrucks und seine Botschaft verbreitete sich bei denen, die ihre Seele suchten. Ich glaube, auch deshalb ist der Jazz in Polen heute so stark. Er ist immer noch ein Weg für spirituelle Sucher.
Jazz wird immer eine Sprache der Liebe, ein Werkzeug der Verbindung und spirituellen Synchronisation sein. Musik funktioniert nur über Resonanz und Kooperation. Du kannst keine gute Musik spielen, wenn du nicht zuhörst und deine Partner auf der Bühne nicht akzeptierst. Musik ist eines der Werkzeuge, um die Menschheit zu retten.

Sommerton Festival im Schloss Diersford

ByonwithKommentare deaktiviert für Sommerton Festival im Schloss Diersford

DUISBURG.   Wilfried Schaus-Sahm stellt das Programm für das Sommerton Festival im Schloss Diersford zusammen und erinnert an das Festival in Duisburg

Das Bedauern über den Verlust des alten Traumzeit-Festivals ist bei dessen treuen Fans nicht abgeebbt, seitdem die Stadt zwar weiter unter dem Erfolgsetikett „Traumzeit“ segelt, aber die damit einst verbundenen musikalischen Inhalte schuldig bleibt. Doch seit einigen Jahren gibt es ein Refugium für die Freunde der alten Traumzeit: das Sommerton Festival am Schloss Diersford bei Wesel.

Ein weißes Zelt am Rande eines Ackers, mit roten Plüschsesseln bestuhlt und draußen vor der Tür Heuballen und Lagerfeuerromantik – der Veranstaltungsort ist ähnlich schräg wie es das alte Hüttenwerk in Meiderich einst war. Auch in dieser Hinsicht atmet Sommerton den gleichen Geist. Und das hat seinen Grund. Denn Wilfried Schaus-Sahm, Vater der Traumzeit in Duisburg, zeichnet als künstlerischer Leiter und Mitbegründer für das Programm des Sommerton Festivals verantwortlich, das vom 31. August bis zum 2. September die fünfte Auflage erlebt.

Auftakt der „muziek biennale“

Inzwischen ist nicht nur die Liste der Sponsoren gewachsen, die den tragenden Sommerton-Verein unterstützen, sondern auch das Ansehen des Festivals. So wurde es in diesem Jahr auserkoren, die „muziek biennale niederrhein“ zu eröffnen. Was Schaus-Sahm zugegebenermaßen „schon ein wenig stolz macht“. Warum auch nicht, ist es doch eine Anerkennung seines Sachverstandes sowie seines Geschicks, musikalische Richtungen und Künstler zusammenzuführen, die auf den ersten Blick nicht immer zusammenpassen müssen. Dass das jährliche Biennale-Motto diesmal „Verboten“ heißt, schreckte ihn daher nicht.

„Der Jazz hat in seiner Geschichte immer wieder leidvolle Unterdrückung erfahren“, sagt Schaus-Sahm. „In Polen etwa war der Jazz ein Fenster zur Freiheit. Er war von der polnischen Musikvereinigung untersagt worden, weil er angeblich das Erbe Chopins beschädigt.“ Umso mehr freut sich Schaus-Sahm, dass er für das Sommerton Festival den polnischen Pianisten Leszek Mozdzer gewinnen konnte. „Es ist die Ironie der Geschichte, dass Mozdzer, einer der besten Chopin-Interpreten, heute Jazz spielt“, meint Schaus-Sahm.

Das Programm im Überblick

Beim Sommerton-Festival macht Mozdzer das am 31. August zusammen mit dem Motion Trio. Die drei Polen spielen Akkordeon, und das weit entfernt vom Quetschkommoden-Image, das dem Instrument anhaftet. Stattdessen loten sie dessen klangliche Möglichkeiten in jeglicher Hinsicht aus.

Zuvor (ab 18.30 Uhr) leiht das Festival sein Ohr einer ungewöhnlichen Jazz-Gegend: China. Der Pianist Luo Ning, Vertreter des Beijing-Jazz, bedient sich auch bei Latin und Funk. Das dürfte spannend werden. 

Den ersten Abend beendet Anouar Brahem, ein Virtuose auf der arabischen Laute Oud, die er in die Konzertsäle der Welt gebracht hat. Mit seinem Quartett stellt er sein Projekt „The Astounding Eyes of Rita“ vor. Es ist dem 2008 verstorbenen palästinensischen Dichter Mahmoud Darwisch gewidmet.

„Folklore, Bach, Coltrane – die Drei fügen alles zusammen, was ihnen irgendwie Spaß macht“, beschreibt Schaus-Sahm, was das Trio Biondini, Godard und Niggli ausmacht, das den zweiten Festivaltag (1. September, 18 Uhr) eröffnet. Besonders interessant ist dabei auch der Einsatz von Godards Serpent, einem mehrfach gebogenen Blasinstrument aus vergangenen Jahrhunderten).

Mit hypnotischen Klängen schließt sich der Auftritt der Geigerin und Sängerin Maarja Nuut an. Ihre Kompositionen fußen auf alten Geschichten und Märchen aus ihrer Heimat Estland.

Zum Abschluss bringt der Abend ein Wiedersehen mit Stefano Bollani, der bereits 2015 das Publikum begeistert hat. „Er verknüpft verschiedene Elemente und Stile mit irrlichterndem Humor“, verspricht Schaus-Sahm Überraschungen, die weder vor Zappa, noch Paolo Conte haltmachen.

Besonderes Highlights sind stets die Sonntagskonzerte (15 Uhr) in der Rokoko-Schlosskirche. Das dürfte diesmal auch der Fall sein. Rolf Lislevand, Professor für Laute und historische Aufführungspraxis an der Musikhochschule Trossingen, hat seine Bedenken gegen Festivals weggeschoben, nachdem er ein Bild vom Inneren des Gotteshauses gesehen hat. Der Rahmen schien ihm doch sehr passend für seine Musik. „Er ist Fachmann für spanische Renaissance- und Barockmusik. Aber er spielt sie so, dass man glaubt, die Pop-Musik sei eine Erfindung des Renaissance“, schwärmt Schaus-Sahm. 

Wer sich entschließt, mal bei diese Festival ein Ohr reinzuhalten, sollte einen Schutz gegen stechende Insekten nicht vergessen. Bei dieser Musikauswahl tanzen auch die Mücken und stärken sich in den Pausen wie die Besucher außerhalb des Zeltes.