Sommerton-Festival 2018

Sommerton-Festival 2018

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Month: Februar 2017

Rheinische Post 2

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Wesel. Jean-Louis Matinier und Marco Ambrosini beendeten das Sommerton-Festival mit einem virtuosen Konzert. Von Guido Diesing
Mit einem in jeder Hinsicht begeisternden Konzert in der Diersfordter Schlosskirche ging am Sonntag das Sommerton-Festival zu Ende. Programmchef Wilfried Schaus-Sahm hatte für die intime Atmosphäre der Rokoko-Kapelle ein Duo ausgewählt, das schon durch seine Instrumentierung einzigartig ist. Ein Glücksgriff, wie sich schnell herausstellen sollte.
An der Seite des französischen Akkordeon-Virtuosen Jean-Louis Matinier zog der Italiener Marco Ambrosini mit der archaisch anmutenden Schlüsselfidel die Blicke auf sich. Das 600 Jahre alte Instrument, eine mit Tasten versehene Verwandte der Geige, galt in Mitteleuropa über Jahrhunderte als ausgestorben und hat lediglich in der schwedischen Folklore überlebt. Von dort wurde es nun durch Ambrosini wieder ausgewildert, in neue musikalische Umgebungen gesetzt und erwies sich als erstaunlich vielseitig und anpassungsfähig.
So war dem Zusammenspiel des Duos kaum eine Grenze gesetzt. Selten hört man Musik, in der so viel Bekanntes anklingt, und die dennoch völlig eigenständig und originell wirkt. Ausgehend von Barockmusik und schwungvollen Volkstanzmelodien, gab es moderne Spieltechniken und Anklänge an Minimal Music zu bestaunen. Rasante Läufe mündeten in Klangflächen, die sich langsam verschoben, und feine perkussive Experimente warteten auf gespitzte Ohren. Zwischendurch wurde ein swingender Jazz-Walzer eingestreut und eine Bach-Toccata wunderte sich, wie sie auf den Balkan gelangt ist.
Wie man das Ganze nennen soll, ist ebenso unklar wie völlig einerlei. Damit sich niemand bei der verzweifelten Suche nach Schubladen eine Hirnzerrung einhandelt, machte Ambrosini ein unwiderstehlich simples Angebot zur Kategorisierung: „Wir spielen die Musik, die wir selbst hören wollen. Da ist es der einfachste Weg, sie auch selbst zu spielen. Es ist einfach Musik.“
Vollends beglückend wurde das Konzert durch die Ausstrahlung und Persönlichkeit der beiden Musiker. Selten erlebt man Künstler, die eine solche Freude am eigenen Spiel ausstrahlen. Da wirkte mancher Blick in die Noten fast schon verliebt, wurde das Spiel des jeweiligen Duopartners mit leuchtenden Augen bewundert und das perfekte Ineinandergreifen der musikalischen Strukturen sichtlich genossen. Wie ansteckend diese Freude war, konnte man leicht auf den Gesichtern der Zuhörer ablesen. Selten sieht man beim Verlassen eines Konzerts so viele lächelnde Münder und strahlende Blicke. Kein Zweifel – hier war eine Extraportion Glückshormone verteilt worden, in Form von Musik und ohne Risiken und schädliche Nebenwirkungen.
Quelle: RP

Rheinische Post 1

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Sommerton: die ganze Welt der Jazzklänge
 
Die besondere Atmosphäre des Festivals am Diersfordter Schloss inspirierte die Musiker. Von Guido Diesing

Mediterran ging es zu, als am Freitag das fünfte Sommerton-Festival am Schloss Diersfordt eröffnet wurde. Das betraf nicht nur die Temperaturen im Konzertzelt, auch die Musik passte bestens zum Klima. Das Quartett des Geigers Michalis Kouloumis spielte zur Einstimmung traditionelle Musik aus Zypern und führte diese Tradition dann mit eigenen Stücken in die Gegenwart fort. Trotz obertonreicher Schärfe stets elegant und mit orientalischen Verzierungen versehen, mischte sich der Geigenklang mit Laute, Bass und Percussion zu einem rhythmisch reizvoll vertrackten Erlebnis. Im Wechsel zwischen melancholischen und temperamentvollen Passagen steigerte sich das Konzert bis zu einem ausgedehnten Stück mit langen Improvisationen, das der Geiger den Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien widmete.
Ein fruchtbares Geben und Nehmen zwischen Musikern und Zuschauern prägte das ganze Festival. Wie schon in den Vorjahren wurde schnell deutlich, wie sehr die besondere Atmosphäre am Diersfordter Schloss die Musiker inspiriert. „Danke, dass Sie so gut zuhören!“, lobte etwa Markus Stockhausen das Publikum. „Es macht Spaß, hier zu spielen.“
Im Duo mit dem ungarischen Gitarristen Ferenc Snétberger bettete der Trompeter in impressionistische Klangmalereien als Kontrast schnelle Läufe ein, bei denen die beiden aber nie das Melodische aus den Augen und Ohren verloren. Die fast sphärische Schönheit von Stockhausens schnörkellos reinem Trompetenton wurde durch die perkussiven Effekte des Gitarristen noch unterstrichen. Für den begeisterten Applaus bedankten sich die beiden Endfünfziger mit der wunderschönen Ballade „Rose“ – intim und fast wie ein Wiegenlied.
Die gute Tradition, dass es bisher bei jedem Sommerton-Festival einen herausragenden Jazzpianisten zu sehen gab, wurde auch diesmal fortgesetzt. Der Israeli Omer Klein, der schon für sein letztes Album „Fearless Friday“ viel Lob geerntet hatte, machte zum Abschluss des Eröffnungsabends mit neuen Stücken Appetit auf seine noch unveröffentlichte nächste Platte. Sie deuteten an, dass Kleins Entwicklung noch lange nicht zu Ende ist.
Nach einem fast klassischen Solo-Intro bog das Konzert bald in swingende und überraschend hart groovende Gebiete ab, mit vereinzelt aufblitzenden Anklängen an israelische Melodien. Es war ein Genuss, die lebendige Interaktion zwischen dem Wahl-Düsseldorfer am Klavier und seinen Mitstreitern Amir Bresler am Schlagzeug und Haggai Cohen-Milo am Kontrabass zu verfolgen.
Was für eine Route, auf die die Zuschauer am Samstag, dem zweiten Sommerton-Tag, von den Musikern mitgenommen wurden: Vom spanischen Ruhrgebiet führte sie über den norwegischen Teil des amerikanischen Mittleren Westens bis nach Französisch-Argentinien. Wer jetzt stirnrunzelnd den Atlas hervorkramen will, kann sich die Mühe sparen. All diese Orte gibt es nur in der Welt der Musik – und seit Samstag in der Fantasie der Sommerton-Besucher.
Zunächst heizte der in Essen lebende Flamenco-Virtuose Rafael Cortés den ohnehin schon schwitzenden Besuchern ein. Absolut faszinierend, wie er ohne erkennbare Anstrengung einen so kraftvollen und dynamischen Klang erzeugt. Neben der unvermeidlichen Ehrung des Vorbilds Paco de Lucia und naheliegenden Abstechern zu Chick Corea und Al Di Meola hatte er auch Überraschendes wie eine Bearbeitung des melancholischen polnischen Evergreens „Ostatnia Niedziela“ dabei. Dass für die Zukunft des Ruhrpott-Flamencos gesorgt ist und die nächste Generation schon bereit steht, zeigte als würdiger Begleiter seines Vaters Rafael Cortés junior.
Mit eingängigen, aber keineswegs eintönigen Klängen überzeugten anschließend der Trompeter Mathias Eick und sein Quintett. Mit der stimmungsvollen Verschmelzung von Elementen aus Jazz, Folk, Pop und Rock bewiesen die fünf Norweger, dass man sich für einfache sangbare Melodien nicht schämen muss. Warum auch? In langen Steigerungen unter der Führung von Trompete und Geige entwickelten die Musiker sie zu hymnischer Größe, schufen aus ihnen geradezu erhebende Momente, um sie dann wieder in die Einfachheit zurückzuführen.
Den Schlusspunkt unter zwei entdeckungsreiche Festivaltage setzte der Franzose Richard Galliano mit einem Soloauftritt. Ein Mann, ein Akkordeon und jede Menge Ideen – das reichte für eine vielfältige Stunde. Galliano beschränkt sich längst nicht mehr auf die Verbindung von Tango und Musettewalzern, die ihn berühmt gemacht hat. In langen Suiten hangelt er sich von Stil zu Stil und Stück zu Stück, ganz wie es ihm einst Astor Piazzolla geraten hat: „Spiel einfach, was dir in den Sinn kommt!“ Da stehen elegant fließende Melodien neben orgelähnlicher Wucht und wiegende Walzer neben stampfendem Poltern. Mit einem liebevollen „Bluesette“-Zitat verbeugte er sich vor dem gerade verstorbenen Toots Thielemans und ließ den Abend überraschend und zur hörbaren Freude des Publikums mit John Lennons „Imagine“ ausklingen.