Sommerton-Festival 2018

Sommerton-Festival 2018

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Month: September 2016

Jazz und Weltmusik auf höchstem Niveau

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Jazz und Weltmusik auf höchstem Niveau
(WAZ)

Wesel. Passend zum Festival-Namen herrschte bei der fünften Auflage des Sommerton-Festivals intimes, entspanntes Sommerflair. Menschen versammelten sich in der Pause in den elegant eingerichteten Sitzecken, genossen ein kühles Getränk und tauschten sich über die Musik aus, die sie zuvor in dem großen weißen Zelt, das mit Teppichboden, Plüschstühlen und einer wirklich brillanten Tontechnik ausgestattet war, hören durften.

„Einmal das Ambiente, es ist so gediegen. Und dann die hochklassige Musik, die so vielfältig ist. Mein Mann ist Jazzfan, ich interessiere mich für Weltmusik“, war die Dortmunderin Karin Pfeiffer-Stock auch bei ihrem vierten Besuch des Festivals sehr angetan. „Und das sind bescheidene Leute, die Musiker, mit denen man sich hier auch einfach unterhalten kann“, ergänzte ihr Mann Adrian Stock. Wie mit dem besten deutschen Flamencogitarristen Rafael Cortez, der den bravourösen Auftakt des Samstags mit seinem gleichnamigen Junior und dem Percussionisten David Bravo bestritt und danach im Schlosshof Autogramme gab. „Es war sehr heiß auf der Bühne, ein schönes Festival“, war sein Eindruck des Erlebten, ehe er zu seiner Schwester fuhr, um dort verdienter-maßen „in den Swimmingpool“ zu gehen.

Am Vortag hatten der griechische Violinist Michalis Kouloumis und sein Quartett, der Stockhausen-Sohn Markus mit Ferenc Snétberger und das Omar Klein Trio – Gewinner des NRW-Förderpreises 2015 und für den Jazz-Echo nominiert – die Zuhörer mit tendenziell eher leiseren Tönen in ihren Bann gezogen. Am Sonntag überzeugten Jean-Louis Matinier und Marco Ambrosini mit ihren Kompositionen in der Schlosskirche. „Kouloumis war für mich die größte Überraschung – ich kannte ihn vorher nicht, aber die Gäste waren wie auf Wolke 7 über der Ägäis“, zeigte sich „Sommerton“- Organisator Michael Patt „extrem zufrieden“ mit dem Verlauf – und der Resonanz des Publikums in den vergangenen fünf Jahren. Das Konzept, hochwertige Musik abseits des Mainstreams an diesem besonderen Ort darzubieten, sei angenommen worden – die Gäste kommen mittlerweile aus ganz Deutschland. „Diese Zufriedenheit der Menschen ist für uns Auftrag“, gestand Patt ein, dass man schon überlegt habe, aufzuhören, „weil das anstrengend ist und jedes Jahr finanziell schwer zu stemmen“ sei. „Aber der Ansporn ist so groß, dass wir gar nicht anders können und wollen.“

Michalis Kouloumis

Michalis Kouloumis flog mit den Zuhörern und seiner Violine auf die Wolke 7 über der Ägäis

Planungen für die nächsten zwei Jahre laufen bereits.

„Frau Westkamp meinte am Freitag, das Festival sei für Wesel ein Aushängeschild“, zitierte Eventmanager Volker Pypetz die erste Bürgerin der Stadt. Die gute Nachricht – man bastelt bereits an dem Programm für die nächsten beiden Jahre. Für 2017 steht nach Pypetz´ Worten mit dem Pianisten Michael Wollny bereits der erste große Act fest. „Und 2018 werden wir wohl das Eröffnungskonzert der Muziekbiennale Niederrhein hier ausrichten.“

Die Gestaltung wird dann wieder der „kreative Motor“ und frühere Erfinder des Duisburger Traumzeit-Festivals Wilfried Schaus-Sahm übernehmen, der durch das Programm führte. „Das ist wie dessen Fortsetzung“; freute sich der Friemersheimer Dieter Thelen über das Gehörte. „Die Musik ist einfach anders.“ Oder wie es der Weseler Klaus Frings ausdrückte: „Eine musikalische Reise.“ Ein gutes Beispiel dafür bot der Auftritt des norwegischen „Mathias Eich Quartetts“ – eine atmosphärisch weite Musik, die mit starken Solisten und dem markanten Trompetenton Eicks die Volksmusik des Heimatlandes mit dem Sound des mittleren Westens der USA kombinierte. Den Samstags-Schlusspunkt setzte der Akkordeon-Zauberer Richard Galliano mit seiner Klangmelange aus Pariser Flair, Tango, Jazz („My funny Valentine“) und Astor Piazzola. Als er mit dessen „Libertango“ zum spektakulären Finale ansetzen wollte und der Klang des einsetzenden Feuerwerks herüberzog, reagierte er souverän, fand einen eleganten Ausstieg und intonierte danach noch eine gefühlvolle Version von John Lennons „Imagine“. Entlang des mit Kerzenlichtern ausgestatteten Weges konnten die Gäste dann erfüllt von stimmungsvoller Musik auf Weltklasseniveau zum Wagen und in die Nacht gehen.

Alexander Florié-Albrecht